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KERAMIC DES MITTELALTERS UND DER FRUHRENAISSANCE

Schon im Mittelalter entwickelte sich Faenza dank seiner tonerdehaltigne Umgebung und dank seiner Lage im doppelten kulturellen Wirkungsbereich der Poebene zu einem führenden Töpferzentrum.
In den ersten Jahrhunderten nach dem Jahr 1000 verfeinerten und vervollkommneten die Faentiner Keramiker ihre Kunst. Um die Dekoration ihrer Erzeugnisse besser zur Geltung zu bringen, gingen sie dazu über, das gebrannte Rohgut (auch Schrühware) zunächst mit einem weißen Belag zu versehen. Dieser Rohüberzug erfolgte auf zweierlei Art: weiß-glasige Glasur oder weiß-erdiger Anguß (Engobe).
Die auf diese Weise behandelten Stücke wurden mit den sogenannten Scharffeuerfarben bemalt (Majolika) oder - im Fall der Engobeware - mit einem Stichel geritzt (Engobeware mit Sgraffito-Dekoration = faenza ingobbiata e graffita). In dieser Zeit entstanden hauptsächlich Töpferwaren für den Hausgebrauch in schlichten zweckgebundenen Formen (Teller, Näpfe, Kannen).Die Ornamentik übernahm den Motivenschatz des zeitgenössischen Kunsthandwerks (Textilien, Goldschmiedekunst, Buchmalerei), wobei aus der Pflanzen- und Tierwelt abgeleitete Muster und Themen überwiegen (Rankenwerk, Blumen und Palmetten, Fische und Phantasievögel); daneben sind auch Wappen verbreitet, die oft wertvolle Hinweise auf bedeutende Bürger und Geschlechter der Stadt geben.
Am Ausgang des Mittelalters nahm diese als stile arcaico bezeichnete frühe Phase ein Ende. Vor allem die glasierte Keramik, die Majolika, machte bemerkenswerte technische und ästhetische Fortschritte: Der Glasurüberzug gewann an Reinheit und Festigkeit, die Farbskala bereicherte sich durch die Einführung neuer Farben - insbesonders ein kräftiges Gelb und ein leuchtendes Tiefblau.
In der Faentiner Keramikproduktion der Frührenaissance, die unter der Bezeichnung stile severo zusammengefßt wird, zeichnen sich zwei aufeinanderfolgende Hauptstilphasen ab, die sich ihrerseits aufgrund bestimmter vorherrschender Dekorationsmuster in mehrere Gattungen gliedern lassen. Zunächst wirkt die mittelalterliche, archaische Phase noch nach: teils weist die Ornamentik byzantinische Züge auf (so in des Saffaraware = zaffera in rilievo), teils verarbeitet sie Themen arabischen Ursprungs, vermittelt durch in spanischen Werkstätten tätige maurische Künstler (italo-moresco). Es folgt eine zweite Phase, in der neben einem Dekorationsstil gotischer Prägung (gotico-floreale) starke mittel- und fernöstliche Einflüsse zu beobachten sind (Gattungen ad occhio di penna di pavone, palmetta persiana, alla porcellana).