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KERAMIK DER RENAISSANCE

Der Übergang von der weitgehend der Gotik und dem Orient verpflichteten Ornamentik des stile arcaico und stile severo, die Spätmittelalter und Frührenaissance gekennzeichnet hatten, zu einer eigenständigen italienischen Formensprache vollzog sich in der Majolikakunst Faenzas Ende des 15. - Anfang des 16. Jahrhunderts.
Auf den Keramiken jener Zeit, die einen hohen Grad technischer Perfektion erreicht haben , nehmen die typischen Dekorationsmotive der Renaissance überhand: vierpassige Blütenformen, Eierstabmuster , Rosetten u.ä. Gleichzeitig tritt die menschliche Gestalt in den Vordegrund , bleibt jedoch trotz ihres wachsenden Gewichts an der Schwelle des 16. Jahrhunderts noch im wesentliken auf Typen beschränkt. die Dame, der Edelkanabe, der Musikant, allegorische Figuren, die sogenannten «schönen Frauen» (belle donne).
Dank der engeren Zusammenarbeit zwischen Keramikkünstlern und Malern weicht dieser heraldisch-dekorative Grundton oer Majolikamalerei in der Folge allmählich der subjektiven Erfassung des Menschen in seiner individuellen Eigenart, die in die neue, erzählerische Epoche des isotiato mündet.
Die Faentiner Meister (größtenteils unbekannte Künstler oder Monogrammisten, die ihre Werke auf der Rückseite mit einem Monogramm oder ihren Initialen signierten ) beginnen in dieser Zeit weitläufige Kompositionen biblischen oder mythologischen Inhalts zu malen. Meist benutzen sie dabei Buchillustrationen oder Stiche, die ihnen ihr hochgebildeter und anspruchsvoller Aufftraggeberkreis unterbreitet, als Vorlagen.
Die Anfänge des istoriato (die frühe Phase - um 1500 - 1525 - wird primo istoriato genannt) zeichnen sich durch saubere, sorgfältige Linienführung, feinfühlige farbliche Bezüge und harmonischen Zusammenklang von Form und Dekor aus.
Nachdem sie größere Sicherheit in der Wiedergabe der istoria, der erzählerischen Darstellung, erworben hatten,wandten sich die Keramikkünstler erneut der technischen Weiterentwicklung der Majolika zu; sie erfanden einen neuen, bläulich schimmernden Majolikatypus, die berettina, die mit Groteskendekor, Trophäen, Blatt- und Fruchtgebinden , Ornamenten a quartieri reich geschmückt wird. Diese zweite Phase des istoriato -secondo istoriato, auch stile bello - prägt vor allem die Produktion ausgezeichneter Werkstätten (Baldassarre Manara, Pirotto Paterni und seine Söhne - Cà Pirota, Virgiliotto Calamelli u.a.).
In den Jahren 1550 - 1580 gipfelt dieser Hang zu dekorativer Pracht in den sogenannten Buckelschalen: die Majoliken werden mithilfe von Silber - und Zinnformen plastisch gestaltet (Buckelungen , Goundrons, Rippen )und mit überaus üppigem, meist ganzflächigem Dekor bemalt (stile fiorito). Die Faenzakeramik erlebt in dieser Zeit eine außerordentliche Blüte; der stile bello entfaltet sich zu höchster Verfeinerung, es triumphiert die aus der früheren Groteskenornamentik hervorgegangene « Raffaeleske» (Dekora a raffaellesche).