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KERAMIK DES 18. UND 19. JAHRHUNDERTS

Schwerpunkt deer Keramikproduktion Faenzas im 18. Jarhundert war zweifellos die Manufaktur Ferniani. Sie ging aus edr alten Manufaktur Cavina-Grossi-Tonducci hervor, die Graf Annibale Carlo Ferniani 1693 übernommen hatte, und spielte zweihundert Jahrre lang eine führende Rolle in deer faentinischen Majolikakunst.
Anfänglich stellte sie hauptsächlich den bianchi di Faenza verwandte Erzeugnisse her. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts begann sie, den neuen, vor allem von Frankreich ausgehenden geschmacklichen Tendenzen Rechnung zu tragen und die damals so beliebten exotischen Motive ("Chinoiseries") zu pflegen, die mit der massenhften Einfuhr chinesischen und japanischen Porzellans durch die Ostindischen Kompanien in Europa Verbreitung gefunden hatten.
Auch im technischen Bereich wirkte die Manufaktur Ferniani fördernd auf die Faentiner Keramik. Neben den traditionellen Herstellungsverfhren führte sie in der zweiten Jahrhunderthälfte die Muffelmalerei sowie einen neuen, in England erfundenen Werkstoff, das Steingut, ein.
Mit der ursprünglich aus der Porzellanproduktion stammenden Technik der Muffelmalerei wird die Verwendung weiterer, bisher unzugänglicher Farben möglich. Ausgezeichnete Keramikmaler treten auf den Plan: die Benini, die Ragazzini, und - alle überragend - Filippo Comerio aus Bergamo aus dessen in leuchtendem, durchscheinendem Grün mit manganschwarzen Umrissen gemalten Sujets (Genreszenen aus dem Bettlermilieu, karge Landschaften, Figuren) ein nach ihm benannter Stil erwächst.
Das seit 1778 neben der traditonellen Majolika verwendete Steingut verarbeiten kunstfertige Bildhaurer wie Alessandro Tomba, Antonio Trentanove, G. Pani , Giambattista Sangiorgi, Giambattista und Francesco Ballanti u.a. zu vollplastischen mythologischen Figurengruppen und prunkvollem Tafelgeschirr mit reliefiertem Dekor.
Um die Jahrhundertwende tauchen auf den immer reichhaltiger werdenden Tischservicen neue, überaus zarte Dekorationsmotive auf: Weinranken, Girlanden, Eichelzweige; gleichzeitig bahnt sich in der Vorliebe für schlichtere, lineare Formen (glatte Teller, Vasen, Terrinen) die klassizistische Geschmackswende an
Im 19.Jahrhundert kehrte die Manufaktur Ferniani ebenso wie die kleineren Betriebe zur alten Technik der Scharffeuermalerei zurück. Die traditionellen Herstellungsverfaheren und die klassischen Dekorationsmuster der Faenzakeramik des 16.Jahrhunderts (insbesonders die "Raffaeleske") erlebten ihre Renaissance.
Um 1870 schlieb lich rief ein Kreis fähiger Majolikamaler - an ihrer Spitze der in der Manufaktur Ferniani tätige Achille Farina - eine richtiggehende Majolika-Schule ins Leben, von der uns zahlreiche Aquarell-Landschaften und naturalistische Portraits in der Art von Staffelbildern verbleiben.